Es gibt nicht viele Menschen, denen eine Leiche im Vorgarten gefällt. Dominic Hettgen gehört dazu. Eine Leiche vor der eigenen Haustür entfalte eine ganz besondere Spannung, sagt er. Zum Glück entfalten Hettgens Leichen ihre Spannung nur auf dem Papier. Hettgen arbeitet beim Kölner Verlag Emons, der mit seinen Köln-Krimis einen sehr erfolgreichen Literatur-Markt gegründet hat: Bücher, die in Köln spielen.
Gefährliches Pflaster: In Köln wird gern gemordet. Jedenfalls im Buch. Foto: Oliver Haja, © pixelio.de
40 Köln-Krimis sind bisher im Emons Verlag erschienen. Sie heißen „Tödlicher Klüngel“, „Kölnisch Wasser“ oder „Endstation Nippes“. Die Täter morden in Marienburger Villen oder Mülheimer Plattenbauten, die Leichen landen im Rhein und der Kommissar sitzt gerne im Brauhaus. „Das was örtlich nahe liegt, geht den Menschen auch näher“, sagt Dominic Hettgen, der als Pressesprecher bei Emons arbeitet.
Deswegen lässt der Emons-Verlag seit 26 Jahren seine Roman-Detektive in Köln ermitteln. Gleich eines der ersten Bücher, das der Verlag im Gründungsjahr 1984 herausbrachte, war der Köln-Krimi „Tödlicher Klüngel“ von Christoph Gottwald. Der Verlagsgründer Hermann-Josef Emons wollte den Trend der Stadtkrimis aus den USA nach Deutschland holen. In Boston, Los Angeles und New York ermittelten schon damals viele Roman-Detektive.
“Die Kölner mögen ihre Stadt besonders gern”
Das Konzept ging auch in Köln auf. Inzwischen gibt es in den Buchhandlungen eigene Regale mit Köln-Krimis. Die Idee mit den Lokal-Krimis hat der Verlag bereits in andere Regionen Deutschlands exportiert. 40 regionale Krimi-Reihen hat Emons im Programm: In Großstädten wie Berlin und Hamburg genau so wie in der oberbayrischen Provinz und am Bodensee.
Doch in Köln sind solche Lokal-Bücher besonders beliebt, sagt Carolin Thissen vom Kölner Verlag J.P. Bachem. Das gilt nicht nur für Krimis: Der Bachem-Verlag hat vom Brauhausführer, über kölsche Märchenbücher bis zum Karneval-Bildband ein umfangreiches Köln-Literatur-Programm zu bieten. Und das läuft gut: „Köln ist eine spezielle Region. Die Kölner mögen ihre Stadt besonders gern“, sagt Thissen. Verlage wie der Greven Verlag haben sich daher komplett auf Köln und das Rheinland spezialisiert und Emons lässt nicht mehr nur Krimis sondern auch Fantasy-Bücher wie „Der Vampir von Melaten“ in Köln spielen.
Beratung vom Einbrecher

Die Journalistin Ingrid Strobl trifft sich für ihre Köln-Krimis schon mal mit ehemaligen Einbrechern. Foto: Britta Schmitz
Eine ganze Reihe von Autoren liefert immer neuen Stoff für die Kölner Leser. Eine von ihnen ist Ingrid Strobl, die vor kurzem ihren zweiten Köln-Krimi veröffentlicht hat. In „Endstation Nippes“ lässt Strobl eine Kölner Journalistin in einem Jugendheim ermitteln. Es geht um Kindesmissbrauch. Kein leichtes Thema, aber Strobl will in ihren Krimis so authentisch wie möglich erzählen. Die Hörfunkjournalistin hat bereits mehrere Sachbücher geschrieben, unter anderem über Prostitution im Drogenmilieu. Mit harten Themen kennt sie sich also aus und die Kontakte aus ihrer Arbeit halfen ihr auch bei den Köln-Krimis. Sie ließ eine Polizeikommissarin über ihr Manuskript schauen und holte sich auch von der Gegenseite Informationen aus erster Hand: „Ich habe lange mit einem ehemaligen Einbrecher gesprochen, um ein Gespür für den Menschen zu bekommen und authentische Informationen über sein Metier. Nur mit Phantasie kommt man da nicht ran.“
Kölner Leichen sind auch im Ausland beliebt
Ein Kölner Krimi-Autor ist inzwischen sogar zu einem der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands geworden. Die Karriere von Erfolgsautor Frank Schätzing begann mit zwei Köln-Krimis. In „Tod und Teufel“ erzählt er von einem Mordfall im mittelalterlichen Köln und in „Mordshunger“ ermittelt sich Schätzings Kommissar Romanus Cüpper vom Leichenfund in Marienburg bis zum Finale im Zoo. „Tod und Teufel“ ist bis heute der erfolgreichste Köln-Krimi und in 12 Ländern erschienen.
Auch andere Köln-Krimis sind im Ausland beliebt. “Credo” von Stefan Blankertz wurde in Spanien veröffentlicht und “Der vierte König” von Stefan Winges kann man in Buchhandlungen in Ungarn kaufen. Die Leichen in Kölner Vorgärten gefallen anscheinend auch weit entfernten Lesern.
Malte Buhse







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