Von Montag bis Freitag wählen die Kölner Studenten ihr neues Parlament. Die stärkste Hochschulgruppe sind traditionell die Unabhängigen. Doch Campusgrün könnte vom grünen Bundestrend profitieren.
In dem kleinen Raum der Universität zu Köln sitzen 16 junge Menschen und freuen sich über einen braunen Briefumschlag. Darin steckt die erste Briefwahl-Stimme für die grüne Hochschulgruppe. Die Studenten stoßen an. Doch es gibt noch viel zu tun: Flyer drucken, Interviews geben, Plakate organisieren. Die Mitglieder von Campusgrün planen den Uni-Wahlkampf für nächste Woche.

HELLGRÜNE CAMPUSGRÜNE, DUNKELGRÜNE UNABHÄNGIGE ODER DOCH ROTE JUSOS — WER GEWINNT DIE WAHL? FOTO: KATHARINA HECKENDORF
Vom 13. bis zum 17. Dezember wählen die Kölner Studenten ihre Vertreter. Und ein ungeschriebenes Gesetz zwischen den Hochschulgruppen besagt, dass erst in der Wahlwoche um Stimmen gekämpft wird. Dann wollen die Grünen mit 10.000 Flyern, 250 Plakaten und fair gehandeltem Kaffee auf Wählerjagd gehen. Es geht um die Macht an der Uni, um zwei Plätze im Senat und die Mehrheit im Parlament. Denn der Senat berät den Rektor und das Parlament wählt den AStA, den Allgemeinen Studierendenausschuss, der die Interessen der Studenten vertritt.
Seit Jahren stellen die Unabhängigen die Mehrheit im Parlament. Sie nennen sich kurz Unabs und sind seit über 10 Jahren die größte Hochschulgruppe der Universität. Richtig stark sind sie in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, seit 39 Jahren stellen sie die Fachschaft dort. Doch in den letzten Jahren haben sie Stimmen verloren, während Campusgrün Wähler gewinnt. 2007 sind die Grünen erstmals angetreten, drei Plätze im Parlament erzielten sie damals. Ein Jahr später waren es sechs, im letzten Jahr zehn.
Die Unabs besetzen 17 der 51 Plätze, einen Sitz haben sie im letzten Jahr verloren. Sie sind sich sicher, stärkste Kraft zu bleiben. „Die Studierenden werden uns wählen, weil sie unsere Arbeit im AStA und den anderen Gremien zu schätzen wissen“, sagt Nancy Schönherr. Die 22-jährige ist überzeugt, dass die Unabs durch die langjährige Erfahrung im AStA die Situation der Studenten weiter verbessern können.
Campusgrün rechnet sich trotzdem Chancen aus, den Abstand zu den Unabs weiter zu verkleinern: An Aktionen wie die Fahrradwerkstatt vor dem Hauptgebäude, bei der sie die Fahrräder der Studenten repariert haben, daran erinnern sich die Leute bei der Wahl, sagt Timo Gedlich. Der 25-jährige ist seit dem Anfang von Campusgrün dabei und sitzt für sie im Parlament. „Außerdem glaube ich auch, dass wir von dem momentanen Grünen-Hype profitieren könnten.“
Immer mehr Hochschulen werden grün
So wie andere grüne Hochschulgruppen in Deutschland. An vielen Universitäten bekämen sie mehr Mandate, sagt Patrick Luzina, der Sprecher des Bundesvorstands von Campusgrün. „Das wächst seit einigen Jahren, aber in diesem ganz besonders.“ Außerdem bildeten sich mehr Gruppen an den Unis, knapp 60 Hochschulgruppen von Campusgrün gebe es inzwischen bundesweit, so Luzina.
Die Studenten verbinden also anscheinend grüne Themen wie Atomkraft oder Stuttgart 21 mit der Hochschulgruppe. Und obwohl Campusgrün unabhängig von der Partei ist, könnte diese Assoziation auch den 26 Kölner Grünen helfen, die sich zur Wahl fürs Parlament stellen.
Timo Gedlich sieht noch eine andere Chance, mehr Stimmen zu bekommen: Denn in diesem Jahr tritt die Alternative Liste nicht zur Wahl an. Das finden zwar alle Hochschulgruppen schade, vor allem die etwas linkeren Gruppen könnten aber deren Wähler erreichen. Vier Plätze im Parlament hat die Alternative Liste im letzten Jahr bekommen und Campusgrün will am liebsten gleich alle vier Sitze übernehmen.
Mit mehr Stimmen rückt auch der AStA näher. Nach der letzten Wahl hat Campusgrün bereits vier Monate mit anderen Hochschulgruppen verhandelt, eine 5er-Koalition im AStA war das Ziel. Schließlich ist nichts daraus geworden, Campusgrün ist wieder Opposition, den AStA stellen die Unabs gemeinsam mit den UFOs, der Fachschaftsliste, und der Hochschulgruppe der Jusos.
Die Jusos sind die drittstärkste Kraft hinter Unabs und Campusgrün, acht Sitze im Studierendenparlament besetzen sie momentan. „Natürlich würde ich mich freuen, vor den Grünen zu landen“, sagt Michael Sievers. Realistisch sei aber, dass die Verteilung so bleibt, meint der Juso, der als Sozialreferent im AStA sitzt. Mit mehr Stimmen rechnet Sievers aber auch, denn die Jusos hätten im AStA gute Arbeit geleistet.
Für die Jusos wäre Campusgrün der Wunschpartner für eine Koalition im Parlament. Zu zweit den AStA zu stellen ist jedoch unrealistisch, das wissen beide Hochschulgruppen. Die Grünen schließen deshalb auch nur den RCDS, den Ring Christlich Demokratischer Studenten, als Koalitionspartner aus, sonst wollen sie sich alle Möglichkeiten offen halten. Selbst die große Koalition mit den Unabs.
Zur Wahl stehen sieben Hochschulgruppen.
- Die Unabhängigen
- campus:grün
- Juso-Hochschulgruppe
- Linke SDS
- LHG (Liberalen)
- UFO Fachschaftsliste
- RCDS
Um welche Gremien es bei der Wahl geht, steht hier:







[...] sich Campusgrün aber in einem Aufwärtstrend befindet und nun eventuell im AStA mitregiert (wir berichteten). Presseschau | Autor: [...]
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