In Facebook-Gruppen haben sich tausende Menschen für den ehemaligen Verteidigungsminister ausgesprochen. Und auch wenn umstritten ist, wie viele Menschen sich wohl tatsächlich Karl Theodor zu Guttenberg zurückwünschen, bewegt die Debatte um den Doktortitel und den Rücktritt Guttenbergs online viele Nutzer. In mehreren Städten in Deutschland haben Guttenberg-Anhänger den Protest in die Offline-Welt getragen: Sie haben demonstriert, gegen die Opposition, die Medien und für ihren ehemaligen Verteidigungsminister. Doch was sind ihre Gründe, auf die Straße zu gehen?
Während in Hamburg und Berlin vor allem Guttenbergs Gegner bei den Demonstrationen auf sich aufmerksam machen, rufen am Kölner Hauptbahnhof etwa 40 Leute immer wieder “KTG, KTG, KTG”. Sie rufen für Karl-Theodor zu Guttenberg, auf ihren Schildern steht “Gegen die Medienjagd auf Guttenberg” oder “Wir wollen Guttenberg zurück”. So richtig zurück wollen ihn aber gar nicht alle.
Christian Niemeyer findet den Rücktritt Guttenbergs richtig. Der 26-Jährige ist überzeugt, dass Guttenberg Fehler gemacht hat. Ihm geht es darum, wie die Debatte geführt wurde. Für ihn spricht Guttenberg Unbequemes aus und sei deshalb von der Opposition und den Medien aus dem Amt gedrängt worden. Die Doktoraffäre als Mittel zum Zweck. Außerdem stört ihn, dass sich so viele über die Anhänger von Guttenberg lustig machen. Auch die sollen ihre Meinung kundtun dürfen, ohne verarscht zu werden. Deshalb hat Christian Niemeyer diese Demonstration angemeldet und deshalb steht er vor der Kamera und ruft, dass die freie Meinung unterdrückt wird. Seit zwei Nächten hat er nicht mehr geschlafen, weil er die Kundgebung ordentlich organisieren wollte. Deshalb zittert er beim Sprechen. Und deshalb bricht er plötzlich zusammen. Die Polizisten helfen ihm auf, die anderen demonstrieren weiter.
So wie der Soldat, der extra aus Koblenz nach Köln gekommen ist. Er findet, dass Guttenberg einen guten Job gemacht und viel für die Truppe getan habe. Dass der Verteidigungsminister wegen einer abgeschriebenen Doktorarbeit zurücktreten musste, gefällt ihm nicht, verstehen kann er es aber. Er versteht aber nicht, warum Ulla Schmidt dann wegen der Dienstwagen-Affäre nicht zurückgetreten ist. In der Politik werde mit zweierlei Maß gemessen und da muss man etwas gegen tun. Auf die Straße gehen zum Beispiel. Einen Unterschied darin, mit dem Dienstwagen in den Urlaub zu fahren oder für eine Doktorarbeit fremde Texte zu kopieren, sieht er nicht.
Der glatzköpfige Mann, der seinen Namen nicht verraten möchte, will gar nicht verstehen, warum Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktritt, wenn Daniel Cohn-Bendit noch im Europaparlament sitzt, obwohl der kleine Kinder angefasst hat. Dass es dafür keine Beweise gibt, interessiert ihn nicht. Man solle sich in Deutschland mal lieber um Kinderschänder und die wirklich wichtigen Themen kümmern, als zu Guttenberg medial zu jagen. Als er das sagt, wird sein Kopf ganz rot. Dann nimmt er sein Kind an die Hand und geht.
Die meisten der Demonstranten sehen die Opposition und die Medien als Täter und Guttenberg als Opfer einer Kampagne. Warum sei denn sonst plötzlich genau diese Doktorarbeit untersucht worden? Noch dazu von einem Professor, der im Dienst der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung steht.
Den Betrug blenden sie aus. Die Doktorarbeit habe nichts mit seinem Amt zu tun.
Jeder habe doch schon mal Fehler gemacht.








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