In Köln sind die Luftschlangen längst eingemottet, 3000 Kilometer entfernt wurden die rot-weißen Girlanden am Donnerstag noch mal ausgepackt. In Tel Aviv war „kölsche Fastelovendparty“ – ein Beitrag der Kölner zur Städtepartnerschaft mit der israelischen Metropole. Elfnachelf-Gastautor Manuel Heckel hat mitgefeiert.
“Eigentlich“, brüllt einem der Hippie von rechts zu später Stunde ins Ohr “eigentlich bin ich ja aus Düsseldorf. Aber hier ist das okay, oder?“ Es ist okay.
Draußen, jenseits der Promenade, rauscht das Mittelmeer an den Sandstrand. Die Bar, sonst Anlaufpunkt für durstige Touristen, ist dagegen für einen Abend in kölsch getaucht. Rot-weiße Wimpel ziehen sich durch den Raum, die Playlist im Laptop ist mit Karnevalsschlagern bestückt, ein Beamer wirft Fernsehbilder von einem Rosenmontagsumzug an die Lokalwand. “Das ist nicht der von diesem Jahr, das habe ich nicht mehr geschafft“, sagt Manfred.
Manfred trägt ein Hemd mit Kölner Wappen, einen silbern glänzenden Hut und hat auch einen Nachnamen, „der ist aber zu kompliziert“. Außerdem ist Manfred Schatzmeister im “Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln Tel Aviv“, und betreut seit 25 Jahren Austauschgruppen in Köln. Bereits zum dritten Mal ist er jetzt mit einem Koffer voller Karnevalskram für die Feier nach Israel gereist. „Das ist ein Geschenk für die Stadt hier“, sagt er. Eigentlich sollte sogar ein Fass Kölsch bereitstehen für die deutsch-israelische Völkerverständigung, das war aber dann doch zu teuer im Transport. Deshalb fließt jetzt das heimische Goldstar in Halbliter-Gläser. Dafür sind andere Rahmenbedingungen ähnlich wie in Köln: Die Preise ähneln denen zu Weiberfastnacht in den Lokalen entlang der Zülpicher Straße (ein Glas kostet 25 israelische Shekel, umgerechnet etwa fünf Euro), die Bedienung weisen mit der nicht dezenten Deutlichkeit eines Brauhaus-Köbes auf ihr ausstehendes Trinkgeld hin (“Service is not included, okay?”).
“This is the prince, you know.”
Zur ersten Karnevalsparty in Israel kamen 80 Leute, im vergangenen Jahr stürmte es, da gehen die Tel Aviver nicht so gerne raus – es kamen nur etwa 20 Besucher. Dieses Mal muss es wieder besser werden, sonst könnte es die letzte kölsche Karnevalsparty gewesen sein. Deshalb hat Manfred herumtelefoniert, hat bei Facebook zur Veranstaltung geladen, das Goethe-Institut in Tel Aviv mit ins Boot geholt. Eine Stunde nach dem Start aber sind es vielleicht zwei Dutzend Leute, die sich an der Bar festhalten. Praktikanten sind darunter, einige Deutsche, die hier arbeiten, dazu ein paar Urlauber. Einige aus dem Rheinland, aber auch allen anderen Ecken Deutschlands. Zwischendrin ein Gast mit einer besonderen Geschichte: Eine Frau, die 1943 im Klingelpütz in Köln geboren wurde, mit ihrer Mutter in ein Konzentrationslager deportiert wurde, den Holocaust überlebt hat und nach Israel ausgewandert ist. Die Mischung der Leute stimmt. Die Kostümierung meist auch. Die Anzahl noch nicht: “Ich hoffe, da kommt noch was”, sagt Manfred.
Er hat Glück: Nach und nach füllt sich die Bar. Auch nach Mitternacht noch kommen Besucher. Darunter sind immer mehr Israelis, die sich für deutsche Verhältnisse ungewohnt spät auf Feiern begeben. Auch sie kommen verkleidet: An diesem Wochenende feiert Israel das Purim-Fest, zu dem Masken und Kostüme dazugehören. Die meisten der Einheimischen stutzen kurz, als sie die ungewohnten Farben in der Bar entdecken. Dann aber machen sie mit, einige lassen sich sogar die seltsamen Fernsehbilder an der Wand erklären (“This is the prince, you know.“). Nur so richtig ausgelassen will die Feier immer noch nicht werden. Einen Trumpf aber hat Manfred noch: Viva Colonia.
Und tatsächlich: Immer mehr stimmen ein in die Hymne, die ersten wagen sich auf die Tanzfläche. Als die Musik dann in die Schlagerwelten abgleitet, wirbeln die ersten zum Discofox durch den Raum. Die Leute mischen sich, ein bisschen fühlt es sich nach Karneval an. Ein Strohhut wandert von einem Kopf zum nächsten, eine Gruppe junger Männer greift auf deutsches Kulturgut zurück und startet den „Macarena“-Tanz, gefolgt von einer Polonaise. “Es hat mir viel Spaß gemacht!“, sagt Galina, eine junge Israelin, später, “einmal will ich das auch in Köln erleben.“ Das freut Manfred, der um kurz vor zwei Uhr die letzten Gäste in die laue Frühlingsnacht entlässt. 100 Besucher hat er gezählt, das sollte reichen für eine Neuauflage. Nur ein bisschen früher dürften die Gäste dann kommen, damit er nicht so lange bangen muss. Aber, so seufzt er, “das ist eben typisch Tel Aviv.“











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