Frank Überall ist freier Journalist, Politologe und Korruptionsexperte. Gerade ist sein neues Buch mit dem Titel “Abgeschmiert – Wie Deutschland durch Korruption heruntergewirtschaftet wird” erschienen. Mit dem Kölschen Klüngel kennt sich wohl kaum einer so gut aus. Er stößt manche vor den Kopf, wenn er sagt: Klüngel ist an sich nichts Schlechtes, sondern macht das Miteinander einfacher. Im elfnachelf-Gespräch mit Jan Willmroth und Jonas Jansen erklärt Überall die Grenze zwischen Klüngel und Korruption – und ob die kölsche Hilfsbereitschaft anfälliger für Filz macht.

"Klüngel ist erst einmal zutiefst positiv": Frank Überall betont die guten Seiten am kölschen Klüngel. Bild: Julian Kutzim
Herr Überall, Köln und der Klüngel, das gehört seit Jahr und Tag zusammen. Sie haben über diese kölsche Eigenart promoviert. Ist es wirklich so, dass Klüngel und Korruption so viel schlimmer sind, als in anderen Städten?
Also der Klüngel selbst ist erst einmal zutiefst positiv, er umfasst Kooperation und Netzwerken. Man kann aber aus dieser Haltung heraus eine – wie ich sie nenne – Korruptionsethik entwickeln. Eine Strategie des Selbstrechtfertigens, des Schönredens. Das funktioniert ganz gut, wenn man das mal zu Ende denkt. Deswegen ist die Gefahr natürlich da, dass es eine Art Rutschbahneffekt gibt. Aber wir sind nicht Kleinkleckersdorf, wir sind eine Millionenstadt. Und wenn man uns allein mit den Millionenstädten in Deutschland vergleicht, die haben genau die gleichen Probleme. Oder nehmen Sie Städte wie Frankfurt und Wuppertal – die hatten mehr Korruptionsfälle als Köln.
Sie sprechen von einer “situativen Kooperation” als erster Stufe, da ist Klüngel noch hilfreich. Ab wann wird er gefährlich?
Man kann leider keine richtige Trennlinie zwischen dem positiven Klüngel und Korruption ziehen. Das unterliegt einem gesellschaftlichen, zeitlichen Wandel. Lustreisen für Politiker zum Beispiel, auf Einladung von Unternehmen, die waren vor Jahrzehnten noch kein Problem. Und auf einmal war das strafrechtlich relevant. Grundsätzlich kann man sagen: Sobald jemand ein Amt ausnutzt, um einen Vorteil zu erlangen, auf den er kein Anrecht hat – dann sprechen wir von Korruption. Und das muss nicht immer strafrechtlich relevant sein. Es gibt viele Dinge, die wir als Politikwissenschaftler schon als Korruption bezeichnen, über die Strafrechtler nur müde lächeln würden.
Ist man denn mit der Kölner “Trink doch eene mit”-Mentalität leichter empfänglich für Korruption?
Man bezieht in Köln seine Begründung für korruptes Verhalten natürlich sehr schnell aus dieser Ebene der Kooperation, des Netzwerkens, und sagt ‘naja, das ist ja eigentlich nichts anderes, das ich da gerade tue’, wenn man schon eine Grenze überschritten hat. Und man abstrahiert die Beschädigten als ‘die Bürger’ oder die Kunden’. Umgerechnet auf eine Million Kölner ist selbst aus dem Bau der Müllverbrennungsanlage kein großer finanzieller Schaden entstanden. Und doch kann man mit solchem Geld viele gute Sachen machen, etwa Kindergärten bauen.
Nun gab es in Köln sehr viele Korruptionsfälle, etwa den Müllskandal oder aktuell beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes. Welcher ist für Sie der schlimmste Fall in der jüngeren Geschichte Kölns?
Bei den aktuelleren Fällen wissen wir es heute noch zum Teil gar nicht, da kann man nur mutmaßen. Ich denke, der schlimmste Fall von Korruption war tatsächlich der Bau der Müllverbrennungsanalage und der Spendenskandal, der damit zusammenhing. So perfide Schwarzgelder zu waschen, auch noch mit der Begründung, dass es eigentlich immer so war. Der damalige SPD-Politiker Norbert Rüther, der eine zentrale Rolle in dem Skandal gespielt hat, fand dieses System nämlich schon so vor. Im Parteispenden-Untersuchungsausschuss prägte er dann als erster den Begriff der “Dankeschön-Spende”, also einer Art nachgelagerter Korruption. (Die Kölner SPD hatte von Baufirmen Parteispenden erhalten, als Dankeschön für die Vergabe von Bauaufträgen. Hier von Überall kompakt nacherzählt.)
Sie beschäftigen sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Korruption. Als Journalist arbeiten Sie vorwiegend investigativ und suchen nach dem, was falsch läuft. Sind Sie ernüchtert, dass in einem vermeintlich so gut funktionierenden Land wie Deutschland Korruption ein so großes Problem ist?
Wir sind ja nicht so weit wie andere Länder, in denen man ohne Schmiergeld keinen Arzttermin bekommt. Das macht mich schon optimistisch. Deswegen habe ich auch kein pessimistisches Buch geschrieben. Ich will verstehen, was hinter den Kulissen abläuft, und dann konrete Fordeungen aufstellen: Was kann man verbessern? Denken Sie an die Verjährungsfrist von fünf Jahren, das ist zu kurz. Wir werden dem Menschen Korruption nicht austreiben, das haben wir seit dem Altertum nicht geschafft. Ich will trotzdem einen Beitrag leisten, dem Problem so gut es geht vorzubeugen.
Sie sind selbst Kölner. Wann haben Sie zuletzt geklüngelt?
Ich klüngel eigentlich regelmäßig, im Sinne von Netzwerken. Es gibt ständig auch unter Journalisten-Kollegen diese Geschichten, dass man sich irgendwo gegenseitig weiterhilft – du gibst mir eine Information, ich geb Dir eine. Mir fällt gar kein spontaner Fall ein. Das ist so alltäglich, das ich darüber weder Buch führe, noch mich an irgendetwas erinnere. Es kommt auf die Grenzen an.







Dieser Klüngel innerhalb der CSU ist sprachwörtlich so. Jeder wäscht des andren Hand.
Das geht so seit nach 1945, seit damals wurde aufgrund der Aussagen der bayrischen Staatsregierung kaum ein Mensch, der für die Judenverfolgung in München zuständig war , nur annähernd zur _Verantwortung gezogen. Dies gilt für ganz Bayern – niemand , ausser den ca kannte Dachau oder ähnliches- Klasse. alle haben nur den Naziführern gedient mit allempersönlichen.
Ganz im Gegenteil - Heute – also 2012 – werden Menschen von dem deutschen Innenminister,auf eine Art und Weise, wie es der Präsident Wulff macht, nämlich jedes jedes von irgeneinem innerhalb der deutschen Wirtschaft extrem angemacht,