Die Nutzer des Autonomen Zentrums in Kalk hatten nicht lange Ruhe: Erst im August vereinbarten sie einen unbefristeten Nutzungsvertrag mit der Sparkasse (wir berichteten), jetzt droht dem AZ der Abriss. Der Rat hat in einer nichtöffentlichen Sitzung am 14. Februar beschlossen, einen Teil des KHD-Geländes in Kalk zu kaufen, schreibt ksta.de. Vor dem Verkauf muss der Mietvertrag mit dem AZ gekündigt werden. Laut Welt.de plant die Stadt an der Stelle eine Grünfläche und eine Schulerweiterung. Die Industriebrache gehört zu den Beteiligungen, von denen sich die Sparkasse wegen einer EU-Auflage trennen muss.
Die Nutzer des AZs nennen die Planung des Grünstreifens einen Vorwand: “Es ging darum, das AZ ‘wegzuplanen’”, schreiben sie in einer Pressemitteilung. Sie berufen sich auch auf den Bürgerhaushalt, bei dem der Erhalt des Zentrums im Bereich Kultur Platz 1 erreichte. “Über den Verkauf sind wir empört. Uns wurde bisher kein offizieller Grund mitgeteilt. Eine friedliche Lösung ist nun sehr unwahrscheinlich”, sagte eine Sprecherin des Autonomen Zentrums auf Welt.de. Bei der Ratsitzung am 14. Februar gab es laut ksta.de Auseinandersetzungen zwischen den AZ-Befürwortern und der Polizei.
Auch der AStA der Kölner Uni ist enttäuscht über die Entscheidung des Stadtrats und erinnert in einer Pressemitteilung daran, dass Oberbürgermeister Roters den Erhalt des Zentrums noch in seinem Wahlkampf als “Herzensangelegenheit” bezeichnet hatte.
Die Nutzer des Autonomen Zentrums fordern vor allem von den Grünen ein Bekenntnis zu dem Kulturzentrum. Die bezogen inzwischen Stellung auf ihrer Webseite: “Bündnis 90 / Die Grünen im Kölner Rat unterstützen grundsätzlich die Existenz eines „Autonomen Zentrums“ (AZ) in Köln als Ort unabhängiger und nicht-kommerzieller kultureller Aktivitäten”, heißt es dort. Den Verkauf konnten sie aber nicht verhindern: “Die Grünen haben im Stadtrat keinen politischen Partner, mit dem sie eine Fortsetzung des Nutzungsvertrags für das „AZ“ im Gebäude an der Wiersbergstraße mehrheitlich beschließen könnten. ” Sie kündigten jedoch an, einen alternativen Ort für das Zentrum zu suchen.
Bei anderen Parteien löst die Entscheidung des Rats hingegen Jubel aus: Die Rechtspopulisten von Pro Köln feiern den geplanten Verkauf als ihren Erfolg: “Der monatelange Protest der Pro-Bewegung und zahlreicher Anwohner zeigt also nun die erwünschte Wirkung”, schreiben sie auf ihrer Seite.
Das Autonome Zentrum in Kalk gibt es seit fast zwei Jahren: Im Frühjahr 2010 wurde die ehemalige Werkskantine in der Wiersbergstraße 44 besetzt. Im vergangenen März kam es fast zur Räumung. Nach tagelangen Blockaden und einem riesigen Polizeiaufgebot einigten sich die Besetzer und die Sparkasse schließlich auf einen Mietvertrag. Mehr über die Anfänge des AZ Kalk erfahrt ihr in einer unserer Sonntagsfragen.








Kein Wunder, dass Pro Köln jubelt. Ich persönlich bin ja gespannt wieviel Widerstand sich regen wird, sollte es zur Räumung kommen. Schliesslich wurden öffentlich Versprechungen gemacht, die auch eingefordert werden können. Und ich weiss, dass das AZ grossen Rückhalt in Kalk geniesst..
mfg Jo