Die größte Bibliothek zur Frauengeschichte im deutschsprachigen Raum steht vor dem Bankrott, weil das Land ihr die Mittel kürzt. Gründerin Alice Schwarzer ist frustriert.
Alice Schwarzer, Galeonsfigur der deutschen Frauenbewegung, hat keine Lust mehr zu betteln. Wenn nichts passiere, so beklagt sie sich, stehe der FrauenMediaTurm (FMT) vor dem Aus. So heißt das Frauenarchiv im Kölner Bayenturm, mit dem Schwarzer 1994 in den Turm einzog. Dort sind viele Jahrhunderte Frauengeschichte dokumentiert. Ein Archiv von Frauen für Frauen, in dem die Geschichte der Frau aufgerbaitet wird. Als die Anschubfinanzierung nach zwanzig Jahren auslief, kam das nötige Geld von der Landesregierung, 210.000 Euro pro Jahr, garantiert für zwanzig Jahre. 2010 kam der Regierungswechsel und mit ihm drei Frauen in die zuständigen Ministerien. Ausgerechnet die strichen dem Turm nach und nach das Geld zusammen, offiziell aus Budgetgründen. Nach der ersten Kürzung im Frühjahr 2011 ist nun klar: Es bleiben nur noch 70.000 Euro. Zu wenig.
Dass ausgerechnet eine rotgrüne „Frauenregierung“ dem FrauenMediaTurm nun den Todesstoß versetzen will, tut besonders weh.
So schreibt es Schwarzer auf ihrer Webseite.

Seit 1994 Ort der Frauengeschichte: Der Bayenturm in der Südstadt. Dem Frauenarchiv droht das Aus. Foto: action_1971 auf flickr, CC-BY 2.0
Der Frauenmediaturm beherbergt rund 15 000 Bücher, 26 000 Zeitschriften (von 932 Titeln), 33 250 Aufsätze, sechshundert Presseordner sowie Plakate, Fotos, Filme und eine Chronik der Frauenbewegung. Was damit passiert, wenn das Archiv nicht zu halten ist, scheint noch nicht klar. Die FAZ hat sich nach Schwarzers Pressekonferenz am Dienstag in einem langen Text mit dem Thema auseinandergesetzt (pdf). Weil die FMT-Stiftung durch einen Erbbaurechtsvertrag bis mindestens 2021 über den Turm verfügen darf, blieben nur zwei Möglichkeiten, sagt der ehemalige Ministerialrat im Wissenschaftsministerium, Friedrich Bode: Entweder werde das Archiv verkauft, was er aber für unwahrscheinlich hält. Oder das Land müsse sich selbst um das Archiv kümmern – was dann mit Sicherheit teurer würde.







[...] Erst vor kurzem berichteten wir, dass das von Schwarzer gegründete feministische Archiv in Köln kurz vor dem Aus steht. Eigentlich sollten dem Archiv seit 2008 jährlich 210 000 Euro vom Land zustehen. Der allgemeine Sparzwang ließ die zuständigen Ministerien die Entscheidung jetzt aber noch mal überdenken. Die Konsequenz: Das Fördergeld wurde auf 70.000 Euro gekürzt. Zu wenig, um die Arbeit ordentlich weiterzuführen, so Schwarzer. Trutzburg oder öffentlicher Raum? Der Frauenmediaturm. Foto: Daniel Farrell auf Flickr.com (CC BY-SA 2.0) [...]