An einer Sache kommen wir diese Woche nun beim besten Willen nicht vorbei: der Kälte. Alle dachten schon, solche Zeiten wären vorbei und dann das: echte Minusgrade. Im Februar. Vor allem die Kölner Medien sind ausgeflippt vor Freude und so wurde jede Redaktionskonferenz bei DuMont und Bild mit der Frage eröffnet: “Was können wir denn sonst noch so machen, zum Winter?” Und die Ideen sind nur so rausgeschossen wie das Wasser aus den Fontänen am Aachener Weiher, die seltsamer- und entenfreundlicherweise immer noch an sind. Heraus kamen selbstverständlich nur umwerfende Texte, quasi Pulitzerpreis. So hat ein Bild-Reporter eine Nacht als Obdachloser verbracht, während ksta.de mit diesem neuen Wunderding vor dem Dom unterwegs war, das Energie- beratern gerade ein zweites Standbein beschert, einer Wärmebildkamera. Da bleibt uns nur den Hut zu ziehen vor so viel journalistischem Engage- ment, weil jetzt wissen wir: Wenn man bei zweistelligen Minusgraden draußen übernachtet oder sich nicht warm genug anzieht, ist es kalt.

Da hat sich noch kaum jemand getraut: Der Aachener Weiher am vergangenen Wochenende. Foto: elfnachelf
Einige Mutige haben sich dann trotzdem nach draußen gewagt, vor allem die zugefrorenen Wasserflächen waren Anziehungspunkte. Das war vor allem zu Beginn der Woche nicht ungefährlich, als eine Spaziergängerin im Höhen- felder See eingebrochen ist, aber von Passanten rechtzeitig gerettet wurde. Die Stadt ist auch auf auf den Plan getreten und warnt seit vorletztem Freitag davor, die Eisflächen zu betreten. Wobei wir uns fragen, ob die Verwaltung die Sache richtig angegangen ist. Wenn das Eis nämlich wirklich zu dünn war, hätte sie die Flächen wie den Aachener oder den Decksteiner Weiher auch sperren können. Schließlich sind trotz Warnung schon die ganze Woche Menschen auf dem Eis gewesen. Spätestens gestern waren die Eisflächen dann wohl dick genug und voll mit Spaziergängern und Schlitt- schuhläufern. Die Stadt hat sich dann nicht mehr dazu geäußert.
Vielleicht hätte sie sich ein Beispiel an ihren Kollegen in Hamburg nehmen sollen: Da haben die Behörden die Außenalster ausdrücklich freigegeben, nach dem sie gemessen hatten, wie dick das Eis war. “Meine Fachleute sagen: Es hält”, hatte da die Umweltsenatorin gesagt. Solch eindeutige Aussagen sind anscheinend nicht die Sache der Kölner Stadtverwaltung. Da stellt man lieber eine allgemeine Warnung auf die eigene Homepage und überlässt den Rest den anderen. Bloß nicht zu viel Verantwortung übernehmen.
Das zeigt sich auch am leidigen Thema Brüsseler Platz, das ja eigentlich ein Sommerthema ist. Trotzdem hat der Verwaltungsausschuss am Montag einen Vorschlag abgelehnt, nachdem die Ordnungsbehörden den Ruhestörungen im Sommer mit Platzverweisen begegnen sollten. Grund für die Anlehnung: Es sei nicht sicher, ob es rechtens ist, wenn die Polizei alle Menschen des Platzes verweist, da jeder Einzelne alleine ja gar nicht unbedingt zu laut ist. Ganz geklärt ist das tatsächlich nicht (auch wenn ein Rechtsgutachter im Auftrag des Haus- und Grundebesitzervereins ein solches Vorgehen für legal hält). Unabhängig davon, wie man die Situation am Brüsseler Platz bewertet, wünschen wir uns vom Rat und der Stadtverwaltung aber doch etwas mehr Chuzpe. Entweder sind die Verantwortlichen der Meinung, dass es zu einer Stadt wie Köln dazugehört, dass es nachts an bestimmten Plätzen lauter ist und die Anwohner damit umgehen müssen. Dann besteht eben das Risiko, dass sich die Anwohner rechtlich dagegen wehren. Oder die Stadt will die Situation wirklich ändern, weil den Bewohnern der Lärm nicht zuzumuten ist. Dann müssen offensichtlich andere Schritte unternommen werden, bei denen wiederum ein rechtliches Risiko besteht. Das bestand auch beim Glasverbot an Karneval, das das Oberverwaltungsgericht Münster am Donnerstag endgültig bestätigt hat. Hier hat sich die Stadt aus dem Fernster gelehnt, ihre Position gegen Widerstände verteidigt und am Ende auch Recht bekommen. Das kann auch mal anders ausgehen, besser als sich nicht festlegen ist es allemal.








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