Im Anatomischen Institut der Kölner Universität liegen knapp 100 Leichen, die schon längst hätten bestattet werden sollen, wie ksta.de berichtet. Dieser “Bestattungsrückstand” sei erst aufgefallen, als der langjährige Institutsleiter in Ruhestand ging und ein neuer Chef das Ruder übernahm, hieß es auf einer Pressekonferenz der Uni. In der Nacht auf Freitag nahm sich der pensionierte Institutschef das Leben.

Seziersaal, Foto: ernstl auf flickr (CC-Lizenz, via Photodropper)
Ob die Universität tatsächlich erst nach dem Amtswechsel an der Spitze des Anatomischen Instituts von den Missständen in Kenntnis gesetzt wurde ist aber unklar. Der Stadt-Anzeiger beruft sich auf eigene Recherchen und kommt zu einer anderen Version der Geschichte:
Der ehemalige Institutsleiter [habe] von den Problemen mit den nicht bestatteten Leichen zwar gewusst und mit der zuständigen Mitarbeiterin auch darüber entsprechende Gespräche geführt. Er habe aber auf schwerwiegende private Probleme der Frau aufgrund einer schweren Erkrankung ihrer Tochter Rücksicht genommen und habe deshalb die Nachlässigkeiten in ihrer Arbeit vorübergehend gebilligt. Mitte 2010 sei die Mitarbeiterin dann angewiesen worden, pro Woche fünf Bestattungen vornehmen zu lassen. Gleichzeitig habe es eine Abmahnung gegeben. Dies alles soll in Kenntnis und mit Billigung seines Nachfolgers im Institut erfolgt sein. Es soll sogar ein Schreiben geben, das von beiden Professoren unterzeichnet wurde und in dem das künftige Vorgehen dokumentiert ist.
Auch der Express schlägt in die selbe Kerbe. Aus dem Umfeld der Familie des Verstorbenen dringen Äußerungen, die Aussagen auf einer Uni-Pressekonferenz verantwortlich für den Selbstmord machen. Dort sei erst der Eindruck vermittelt worden, die Unregelmäßigkeiten seien erst nach der Verabschiedung des ehemaligen Institutsleiters in den Ruhestand aufgedeckt worden.
Viele Studenten waren bestürzt vom Tod des beliebten Professor. Sie legten am Wochenende Blumen, Kerzen und Briefe vor dem Institut ab, um sich vom ehemaligen Institutsleiter zu verabschieden. „Wir wollen die Ehre dieses einmaligen Menschen wiederherstellen“, sagte eine Studentin dem Stadt-Anzeiger.
Der Skandal um die Leichen im Uni-Keller wurde von Spiegel Online publik gemacht. Das Medium berichtete vergangene Woche, dass aufgrund von Buchführungslücken mindestens 80 Leichen von Körperspendern bereits hätten bestattet werden müssen. Außerdem sei man sich bei zwei der toten Körper nicht sicher, um wen es sich dabei handelt. Die Universität bedauerte die Unregelmäßigkeiten, man versuche die Würde der Verstorbenen so schnell wie möglich wieder herzustellen. Die Staatsanwaltschaft sah keinen Anlass, Ermittlungen aufzunehmen.







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